Reiche müssen die Welt retten
Wes Anderson hat einen Film gedreht, in dem alles wie gewohnt ist: perfektes Bild, burleske Abenteuer und ein wenig Meta-Ironie. Aber diesmal steckt hinter der Pappfassade nicht nur Ästhetik, sondern auch eine Reflexion über den Zustand der Gesellschaft.

Die Handlung des Films spielt in den 1950er Jahren, aber durch sie schimmern die Ängste der 2020er Jahre: Alles bricht zusammen, die Ressourcen gehen zur Neige, die Wirtschaft liegt im Koma. Im Zentrum der Geschichte steht der Gauner und Genie Ja-Ja Korda. Er startet die "phönizische Strategie" - eine komplexe logistische Konstruktion, die seine Nachkommen in den nächsten 150 Jahren ernähren soll. Und vielleicht noch einen halben Kontinent.

Korda ist kein angenehmer Mensch. Er hält den Hunger in der Region aufrecht, damit die Strategie funktioniert. Er betrügt seine Partner, ignoriert seine Kinder. Aber als alles zu zerfallen beginnt, ist es genau er - mit seinen schmutzigen Methoden, seinen Hinterzimmerabsprachen und seinen Papieren in Schuhkartons - der das Projekt vor dem Zusammenbruch rettet. Kein Minister und kein Mönch, sondern ein Waffenhändler und eine Person mit zweifelhafter Moral.
Korda verändert sich, als er mehr Zeit mit Lisl verbringt - seiner Tochter, die Nonne werden will. Gemeinsam fahren sie, um mit Geschäftspartnern zu verhandeln, und zum ersten Mal entwickelt Ja-Ja so etwas wie ein Gewissen. Am Ende bringt er ein Opfer, das all seine vergangenen Sünden zu sühnen scheint. Dank ihr wird die phönizische Strategie Wirklichkeit.

Aber hätte der Held das Ergebnis erreicht, wenn er von Anfang an tugendhaft gewesen wäre? Wahrscheinlich nicht. Gerade dank seiner zweideutigen und manchmal einfach unehrlichen Handlungen hielt er das System im Gleichgewicht, das jederzeit bereit war, zusammenzubrechen.
Dieser Charakter ist übrigens inspiriert von Wes Andersons Schwiegervater - Fuad Malouf. Die Szene mit den Schuhkartons, in denen Dokumente aufbewahrt werden, ist keine Fiktion: In Wirklichkeit erhielt die Frau des Regisseurs Anweisungen zum Erbe in einem ähnlichen Stil. In diesem Fall, wie sieht sich Wes Anderson selbst? Vielleicht als Doppelagent, der sich für die Seite von Ja-Ja und nicht für die des Staates entschieden hat, weil er sich in seine Tochter verliebt hat.

Und was können wir dann aus dieser Geschichte mitnehmen?
Offenbar glauben, dass die Welt nicht von naiven Utopisten gerettet wird, sondern von denen, die Leichen im Keller haben, Millionen im Tresor, aber im Herzen - plötzlich - Liebe.





